Begegnungen von Deutschen und Geflüchteten durch Fotographie (Photo-Essay)

1. Begegnungen mit dem Anderen und Abbildungen einer Sprachlosigkeit – ein Gegenentwurf des Deutschen Diskurses

Überbrückung von Zwischenwelten – die Forscherin im Feld bei der Besprechung der Photo-Voice Ergebnisse mit den Urheber*innen, Foto: JB.

Im sogenannten “langen Sommer der Migration“ 2015 und der Europäischen „Flüchtlingskrise“ erreichten etwa eine Million Geflüchtete Deutschland. Die deutsche Verwaltung, Politik und Gesellschaft waren auf diese seit langem drohende Situation schlecht vorbereitet: Mit den Ankommenden entwickelte sich eine zivilgesellschaftliche Solidaritätsbewegung, die so genannte „Willkommenskultur“. Leider haben sich auch viele abweichende Stimmen und Bewegungen erhoben, wie z.B. PEGIDA und die politische Partei AfD. Mit ihrem Aufstieg kippte die Stimmung und das Bild „des Flüchtlings“ änderte sich dramatisch: Hilfesuchende Menschen wurden zu einer Welle von potentiellen Kriminellen und Zerstörern der abendländischen Kultur. Dies stellte für mich den entscheidenden Ausgangspunkt dar, mich aktiv an diesem Diskurs zu beteiligen und einen Gegenentwurf zu zeichnen. In dem hier vorgestellten Projekt sollte ein solcher Gegenentwurf durch Fotografie, mit Hilfe von Photo-Voice geschaffen werden. Photo-Voice ist eine wissenschaftliche, aktivistische Forschungsmethode, bei der die Teilnehmer*innen Fotos infolge einer bestimmten Frage machen. Diese Bilder werden dann in der Gruppe diskutiert, eine Auswahl getroffen und die abgebildeten Anliegen schließlich öffentlich gemacht (z.B. in Form von Ausstellungen, Veranstaltungen oder Medienbearbeitung). Ziel ist es immer, den Protagonist*innen und ihren Stimmen mehr Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen. In meinem Projekt sollten die Teilnehmer*innen, Deutsche und Geflüchtete versuchen ihren Alltag darzustellen. Das Projekt fand speziell in ländlichen und peripheren Regionen Brandenburgs statt und ist Teil meiner wissenschaftlichen aktivistischen Forschung. Brandenburg ist eines der flächenmäßig größten deutschen Bundesländer. Das Bundesland leidet aber auch unter einer sehr dünnen Besiedelungsstruktur und an einer schlechten Infrastrukturentwicklung, hoher Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und einer politischen Wählerschaft an den beiden Extremen (Mehr Informationen und Fotos www.alltag-in-bildern.de). In diesem Essay möchte ich mich besonders auf die unterschiedlichen Alltage Deutscher und Geflüchteter konzentrieren: Diese Unterschiede sind vor allem in dem prekären Zustand Geflüchteter begründet, der sich durch die alltägliche Einschränkungen des deutsche Migrationsregimes (z.B. durch Wohnsitzauflagen, Aufenthaltsbestimmungen etc.) und die Unterbringung in abgelegenen Unterkünften im ländlichen Raum ergibt. Die Bilder wurden mir in Paaren angeordnet – immer ein deutsches, kombiniert mit einem Flüchtlingsbild. Sie stehen für sich und werden nur durch die Aussagen der Urheber*innen kontextualisiert.

2. Verschiedenen Welten in verschiedenen Bildern – in Einblick in einen Alltag der Unterschiedlichkeiten

Autorin:

Julia Nina Baumann, in München, Deutschland geboren ist selbst auf dem Land in einem kleinen bayerischen Alpdorf aufgewachsen. Die Sozial- und Kulturanthropologin forscht aktivistisch mit Geflüchteten im ländlichen Raum und lebt seit einiger Zeit in der Großstadt Berlin.

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