von Ana Nenadovic

Polternd kommen sie durch deine Türen,

mit Gewalt tragen sie dich Stück für Stück ab,

bis du nackt, entblößt, vor ihnen stehst.

Schamhaft wenden sie ihren Blick von dir ab,

betrachten deine Nacktheit nur aus den Augenwinkeln

und vergessen dich immer mehr.

Du aber vergisst nicht, versuchst es, kannst es nicht.

Nicht vergessen heißt jedoch nicht Verharren.

Du verharrst nicht in deiner Nacktheit,

du strebst nach Erneuerung und Vereinigung mit

dem dich umgebenden Neuen.

Ohne deine Vergangenheit gänzlich abzuschütteln, ohne auf deine Zukunft zu verzichten.

Langsam, unbemerkt von ihnen, heilst du von innen,

wächst wieder zusammen und wirst zu etwas Neuem,

das sie bewundern und preisen,

vergessen ihre Schuld und deine Wunden.

Doch du vergisst nicht,

trägst mit Stolz deine verheilten Wunden

der Vergangenheit in der Gegenwart bis in die Zukunft.

Aufnahmen v. l. n. r.: Pakrac/Kroatien; Berlin/Deutschland; Berlin/Deutschland; Manchester/England

Dieses Projekt wurde im Workshop „Frauen erzählen Geschichten durch Fotografie“ der Medienwerkstatt Encounters unter der Leitung von Luiza Folegatti und Ina Schebler erstellt.